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GERISSEN, GEWÄSSERT, GEBRANNT

Helen Lauff – Schönheit auf Papier – SR Kulturspiegel

PAPIER, BÄNDER, SCHEREN GROß UND KLEIN

Während das Bild, an dem ich gerade arbeite, mit der Zeit immer geordneter wird, entsteht um mich herum ein immer größeres Chaos. Bis zur Undurchdringlichkeit. Viele Sorten Papier, meist sogenanntes Abfallpapier, also Tüten, Einwickel – Zeitungs- und Packpapier verschiedenen Stärkegrades, weiße und farbige Blätter, Reste, Zerschnittenes, aber zum Teil auch Edles. Dazu alle möglichen Bänder, Perlen, alte Armreifen und sonstiger „Zierrat“, im wesentlichen als nutzlos aussortiertes Zeugs. Dazu meine Pastellkreiden, Malstifte, Bleistifte und Federn mit Tusche. Unerläßlich der Klebstoff, Wasser, Schwämme, Feuerzeug und alle möglichen Scheren groß und klein.

Finden der Farben

Während der Arbeit bin ich wie eine Biene auf einer Wiese mit tausend Blumen, die aber dennoch die richtige Blüte findet, will sagen: Während des Prozesses befinde ich mich in einer Art Arbeitstrance, wo alle anderen Interessen völlig ausgeschaltet sind und die innere Konzentration auf die Gestaltung total ist. Ich finde genau das Papier, das ich brauche, ich finde die Farben, ich ’weiß’, wann ich etwas reißen oder schneiden ’muss’, damit meine Idee klar zutage tritt. (Natürlich gibt es auch schlechte Tage und die Form springt nicht aus dem Kasten, soviel Mühe ich mir auch gebe)

züngelnde Flammen

Oft brenne ich bestimmte Formen mit leicht unkalkulierbarem Risiko ins Papier, schaue der züngelnden Flamme zu und klatsche einen bereit liegenden nassen Lappen darauf, wenn’s entweder gut ist, oder die Flamme zu groß wird. Auf einmal entsteht eine Form, mit der ich nicht gerechnet hatte. Sie ist sozusagen ein Geschenk und ich sehe, dass das Gesicht zum Beispiel jetzt erst lebendig wird. Ein Risiko, wie gesagt, geht nicht immer gut, aber eine herrlich wunderbare Aufregung.

Finden der Form

Das anfängliche „Innenbild“, mit dem die ganze Sache los geht, wird sichtbar. Manchmal hat mich die Arbeit in eine Region geführt, die ich vorher nur ahnen konnte, die mich herausfordert, wenn ich sie betrete, und die mich zur Gestaltung zwingt. Neben dem Finden der Form beginnt auch bald das Kleben der einzelnen Teile auf eine Unterlage, ( zunächst mit Stecknadeln befestigt) meist auf Packpapier oder auch mal auf Holz oder ich wähle einen bespannten Rahmen. Ich raste und ruhe nicht, bis ich meine, die Form, die den Inhalt „transportiert“, gefunden zu haben. Manchmal scheine ich fertig zu sein, aber plötzlich, vielleicht 2 Tage später, sehe ich, dass etwas nicht stimmt. Ich arbeite weiter, halte aber die verschieden en Zustände fotografisch fest. Wie lange ein solcher Entstehungsprozess dauert ist unterschiedlich. Manchmal arbeite ich 10 bis 12 Stunden hintereinander, aber bis ein Bild fertig ist dauert es meist zwei bis drei Monate.

Arbeitstrance

Meine Arbeit ist eine intuitive Tätigkeit. Es ist wichtig, mit Gefühl bei der Sache zu sein. Es darf sozusagen aber nicht zuviel Gefühl sein und natürlich auch nicht zu wenig. Der einzige Zustand, wo die Aufmerksamkeit angemessen ist, also eine Klarheit in der Beurteilung der Form vorhanden ist, und gleichzeitig ein tiefer innerer Gefühlsschwung, ist ein sogenannter „Mittlerer Zustand“. Ich nenne das „Arbeitstrance“. s.o.

Zum Schluß möchte ich noch anmerken, dass ich mich nicht nur als Künstlerin verstehe, sondern auch als Handwerkerin. Das ist mir deshalb wichtig, weil das Ergebnis der Arbeit von beidem gleichermaßen abhängig ist.